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LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum für
Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin
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Forschung

Zu den Schwerpunkten unserer wissenschaftlichen Arbeit zählen wir die Früherkennung und die Frühverläufe psychotischer Störungen, die wir im Rahmen der Forschungsambulanz BoFiT untersuchen. Die neurobiologischen Grundlagen dieser Erkrankungen werden überdies im Tiermodell erforscht. Wir gehen hierbei vor allem der Frage nach, inwieweit bereits vorgeburtliche Einflüsse wie Entzündungsvorgänge Einfluss auf die Hirnreifung nehmen.

Das LWL-Forschungsinstitut für Seelische Gesundheit ist am LWL-Universitätsklinikum Bochum ansässig und widmet sich vorrangig Fragen der Versorgungsforschung und sozialpsychiatrischen Themen.

Bei unseren Forschungsaktivitäten setzen wir verschiedene technische Methoden ein, die die Grundlage einer genauen psychopathologischen Charakterisierung darstellen. Dazu zählen neuropsychologische Verfahren, anatomische und funktionelle Kernspintomografie, Neurophysiologie, Neurochemie und Genetik. Unsere wissenschaftliche Arbeit befasst sich in besonderem Maße mit den Frühverläufen psychischer Erkrankungen, um chronische Verläufe psychischer Störungen durch möglichst früh einsetzende Therapien abzumildern oder im Idealfall gar zu verhindern.

 

Erkenntnisse durch Funktionelle Kernspintomografie

Das Gehirn kann in seiner Struktur unter anderem mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) dargestellt werden. Überdies ist es mittlerweile möglich, durch funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) die Aktivität des Gehirns und die Funktion einzelner Hirnareale zu untersuchen – man kann dem Gehirn gewissermaßen beim Denken zuschauen.

Ermöglicht wird dies dadurch, dass die neuronale Aktivität einer Region an den regionalen zerebralen Blutfluss gekoppelt ist. In einem aktivierten Gehirnareal führt das mit Sauerstoff beladene sogenannte Oxyhämoglobin zu einem Signalanstieg in der MRT relativ zu desoxygeniertem (sauerstofffreiem) Blut. Die Messung dieser Unterschiede kann dazu dienen, die Hirnreale darzustellen, die aktiv sind, wenn eine Person eine Aufgabe ausführt.

In ähnlicher Weise kann die Aktivität anderer Hirnregionen durch akustische (z.B. Sinustöne), visuelle (z.B. Lichtpunkte) oder somatosensorische Reize (z.B. elektrische Stimulation eines Körperteiles) angeregt werden. Ebenso ist es möglich, die Hirnaktivität während der Durchführung komplexerer Aufgaben oder sogar bei der Vorstellung eines Gedanken oder Gefühls sichtbar zu machen.

Zur Zeit erforschen wir mit Hilfe der sogenannten fMRT vor allem zwei spezielle Funktionen bei psychiatrischen Erkrankungen:

  • das dopaminerge Verstärkungs- und Motivationssystem bei Patientinnen/Patienten mit einem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) und
  • die soziale Kognition bei Patienten mit Schizophrenien, bei Risikogruppen und Patienten mit Persönlichkeitsstörungen

Die Projekte können langfristig dazu beitragen, neue Trainingsmethoden zu entwickeln, die die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit oben genannten Störungsbildern verbessern.

Forschungsprojekt "ADHS"

Das dopaminerge Verstärkungs- und Motivationssystem bei Patientinnen/Patienten mit einem Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Bei zu erwartenden Belohnungen bzw. motivierenden Reizen wird – dies haben zahlreiche Studien belegt – vermehrt Dopamin in mesolimbischen Strukturen des Gehirns (vor allem im ventralen Striatum bzw. im Nucleus accumbens) freigesetzt.

Eigene Untersuchungen zur Aktivierung des Belohnungssystems bei Patientinnen und Patienten mit Schizophrenien und Vorläuferstadien schizophrener Psychosen haben gezeigt, dass die Betroffenen bei gewinnanzeigenden Reizen in der fMRT-Untersuchung eine signifikant niedrigere Aktivierung des dopaminergen Belohnungssystems aufweisen als gesunde Kontrollpersonen.

Auch Patientinnen und Patienten mit ADHS, die häufig zusätzlich alkohol- oder substanzabhängig sind sowie klinische (Impulsivität, „Belohnungsmangel“) und neurobiologische Gemeinsamkeiten mit suchtkranken Menschen aufweisen, sollten gegenüber gesunden Kontrollpersonen in dem o.g. fMRT-Gewinnspiel eine geringere Aktivierung des ventralen Striatums zeigen. Zwei neueren Studien zufolge ist dies sowohl bei Jugendlichen als auch Erwachsenen mit ADHS der Fall.

Unsere eigenen fMRT-Untersuchungen an Patientinnen und Patienten mit den beiden wichtigsten Subtypen der ADHS – dem Mischtyp und dem vorwiegend unaufmerksamen Typ – haben eine signifikant geringere Aktivierung des ventralen Striatums beim vorwiegend unaufmerksamen Typ sowohl gegenüber dem Mischtyp als auch gegenüber gesunden Kontrollpersonen ergeben. Die Aktivierungen der Mischtyp-Patientinnen und -Patienten unterschieden sich dagegen kaum von der bei den Kontrollpersonen.

Forschungsprojekt "Persönlichkeitsstörungen"

Die soziale Kognition bei Patientinnen/Patienten mit Schizophrenien, bei Risikogruppen und Patientinnen/Patienten mit Persönlichkeitsstörungen

Patientinnen und Patienten mit einer Schizophrenie sind häufig in ihren sozial-kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt: Sie können sich schlechter in andere Menschen hineinversetzen und Emotionen anderer Menschen nicht so gut wahrnehmen. Erste fMRT-Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Patientinnen und Patienten mit einer schizophrenen Störung eine Minderaktivierung in den an sozial-kognitiven Prozessen beteiligten Hirnstrukturen (vor allem im medialen präfrontalen Kortex) zu finden ist.

Unsere eigenen Ergebnisse deuten nun darauf hin, dass auch bei Menschen mit einem erhöhten Psychoserisiko Aktivierungsmuster in der fMRT während der Bearbeitung sozial-kognitiver Aufgaben zu beobachten sind, die sich von denen gesunder Menschen unterscheiden.

Projektiert sind nun weitergehende Untersuchungen der Verarbeitung von sozialen Stimuli, die an das Verständnis von Fairness und Unfairness sowie an das empathische Einfühlungsvermögen gekoppelt sind. Dazu hat die Forschungsabteilung für Kognitive Neuropsychiatrie und Psychiatrische Präventivmedizin neue, zum Teil auf spieltheoretischen Erkenntnissen basierende Paradigmen entwickelt.