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LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum für
Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin
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Affektive Störungen

Der Forschungsbereich Affektive Störungen führt Forschungsarbeiten zum gesamten Spektrum von Erkrankungen durch, die mit einer gestörten Affektivität und Stimmung einhergehen. Als Methoden wissenschaftlichen Arbeitens kommen vornehmlich Psychopathologie, Neuropsychologie, Neurophysiologie einschließlich funktioneller und struktureller bildgebender Verfahren, Genetik, klinische Verlaufsbeobachtung und Versorgungsforschung zum Einsatz.

Neurobiologischer Forschungsschwerpunkt

Ein neurobiologischer Forschungsschwerpunkt besteht in der Erforschung neurophysiologischer und neurochemischer Korrelate hirnfunktioneller Störungen bei affektiven Spektrumserkrankungen. Hier ist vor allem auch die integrative Verknüpfung unterschiedlicher neurophysiologischer Methoden wie EEG/EKP, Hirnparenchym-Ultraschall, MRT/fMRS, SPECT/PET unerlässlich und wird in aktuellen Studien verfolgt. Von besonderem Interesse in Hinsicht auf experimentelle psychopathologische Fragestellungen ist der Einfluss des serotonergen und anderer Neurotransmittersysteme im Zusammenspiel mit anderen Neurotransmittern oder Hormonen (wie Cortisol oder Melatonin). Dieser wird beispielsweise in humanexperimentellen Challengestudien oder zirkadianen Rhythmikstudien bei schizophrenen Patientinnen und Patienten mit und ohne akustischen Halluzinationen untersucht. In methodischen Ansätzen werden neue neurophysiologische Paradigmen zu multisensorischen Prozessen und affektiver Informationsverarbeitung entwickelt (Multikomponenten-EKPs, Prosodie, Embodiment, Gesichtsausdruck, soziale Interaktion) und in klinischen Kollektiven geprüft. Weitere neurobiologisch basierte Projekte widmen sich dem Einfluss von umweltbezogenen Belastungsfaktoren (z.B. Genetik, Neurotoxikologie) auf klinische Funktionsstörungen.

Labor für Klinische Neurophysiologie

Im Labor für Klinische Neurophysiologie des LWL-Universitätsklinikums Bochum werden sowohl klinische EKG- und EEG-Routineableitungen einschließlich Provokationsmethoden für stationäre und ambulante Patienten des Hauses als auch neurophysiologische Forschungsuntersuchungen (AG Klinische Neurophysiologie und Experimentelle Psychopathologie) durchgeführt. Schwerpunktmäßig werden hier akustisch und visuell ereigniskorrelierte Potentiale (ERP) als neurophysiologische Korrelate neurobiologischer, psychopharmakologischer, psychophysiologischer und psychopathologischer Funktionen im Humanexperiment sowie bei klinischen Fragestellungen untersucht. In methodischen Ansätzen werden zudem neue neurophysiologische Paradigmen zu multisensorischen Prozessen und affektiver Informationsverarbeitung entwickelt (Multikomponenten-EKPs, Prosodie, Embodiment, Gesichtsausdruck, soziale Interaktion) und geprüft. Weitere Methoden zur Diagnostik vigilanz- und schlafbezogener Störungen umfassen den Multiplen Schlaf-Latenz-Test und -Wachbleibe-Test (MSLT, MWT) sowie aktigraphische Untersuchungen. In Kooperation mit anderen Einrichtungen der RUB werden weitere neurophysiologische Methoden (MRT, fMRT, MRS, Hirnparenchym-Ultraschall, SPECT/PET) je nach Projektfragestellung kombiniert eingesetzt.

Psychopathodiagnostisch wird die Entwicklung eindimensionaler psychopathometrischer Messinstrumente zur Feststellung syndromaler wie auch subklinischer (minorer) affektiver Zustandsbilder verfolgt. Das Rasch-basierte Depressions-Screening (DESC), das gegenwärtig in einer computeradaptierten Form weiterentwickelt wird, konnte umfassend validiert und in psychiatrischen und somatischen Kohorten evaluiert werden. Weitere neuropsychologische Studien umfassen beispielsweise störungsrelevante Kernmerkmale wie Impulsivität, Empathiefähigkeit oder Alexithymie bei verschiedenen Patientenkollektiven. Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik liegt in der Früherkennung (Prodromalstadien) und Erfassung bipolarer Störungen (BoFiT).

Als schwere und akute Zustandsbilder affektiver Erkrankungen gelten suizidale Syndrome, die aber auch diagnoseübergreifend bei anderen psychischen Störungen auftreten und unter verschiedenen Fragestellungen neurobiologisch und psychopathometrisch untersucht werden. Derzeit wird eine multizentrische Studie in den Kliniken des LWL-Verbundes zur Entwicklung eines diagnoseübergreifenden Interventionsprogramms zur sekundären Suizidprävention durchgeführt. Darüber hinaus werden in einer retrospektiven Datenanalyse über 20 Jahre Kernfaktoren von Suizidalität bei stationären Patientinnen und Patienten des LWL-Universitätsklinikums Bochum untersucht.

Zudem werden Patientinnen und Patienten bei Zustand nach einem kürzlich stattgefundenen Suizidversuch oder bei akuter Suizidalität in einer Längsschnittuntersuchung erfasst, in der das serotonerge Neurotransmittersystem mittels der Lautstärkeabhängigkeit akustisch evozierter Potentiale und die aktuelle Psychopathologie untersucht werden.

Pharmakologischen Therapiestudien

In pharmakologischen Therapiestudien wird die Wirksamkeit von Quetiapin bei psychotischer Depression und zukünftig von Lithium auf suizidale Verhaltensweisen bei Depression untersucht. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit dem Einfluss zirkadianer Rhythmen sowie nichtmedikamentöser Behandlungsansätze (z.B. Schlafentzug, Lichttherapie, regelmäßiges körperliches Training) auf die Stimmung und die Lebensqualität sowie mit der Erfassung psychobiologischer Profile (z.B. Motorik, EKG, Kortisol, Melatonin). Außerdem wird die Wirksamkeit von Ergotherapie wie auch Bewegungstherapie bei Patientinnen und Patienten mit Depressionen in einem randomisierten Studiendesign erforscht.

Versorgungssituation depressiv Betroffener

Darüber hinaus ist die Versorgungssituation depressiv Betroffener von Interesse, wie sie in einem geförderten Forschungsprojekt untersucht wird. Hierbei sind Apotheker als im Gesundheitssystem relevante Multiplikatoren einbezogen, die entscheidend zur verbesserten Therapie wie auch Prävention beitragen können. Ein Schulungsprogramm zum Thema Depression speziell für Apotheker wurde erstellt und eingesetzt. Die Effekte durch diese Intervention werden im Verlauf ebenfalls erfasst. Verschiedene Arbeiten gingen auch aus der Zusammenarbeit mit dem Bündnis gegen Depression e.V. und dem Kompetenznetz Depression hervor. Neben der Beschäftigung mit Leitlinien – beispielsweise sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Erstellung der S3-Leitlinie Bipolare Störungen beteiligt – liegt ein aktueller Schwerpunkt im Bereich des Prozessmanagements mit Entwicklung, Implementierung und Evaluation von klinischen Behandlungspfaden in der Psychiatrie.

Affektive Störungen weisen eine hohe somatische Komorbidität auf, d.h. eine depressive Störung trifft oft Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz oder chronischen Lungenerkrankungen. Diese müssen trotz hoher diagnostischer Herausforderungen erkannt und therapiert werden. Umgekehrt können überlappende Symptome und biologische Befunde Aufschluss über gemeinsame Pathomechanismen komorbider Krankheitsentitäten wie Diabetes und Depression geben. Eine hohe Komorbidität liegt auch für Schlafstörungen bei affektiven und anderen psychischen Erkrankungen vor, die unter verschiedenen Fragestellungen in der konsiliarmedizinischen Begleitforschung verfolgt werden. Hier wurde in Kooperation mit den Kliniken für Neurologie sowie für Pneumologie, Allergologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil ein interdisziplinäres Zentrum für Schlafmedizin in Bochum gegründet. Eine ergänzende Vorlesungsreihe zur Schlafmedizin der beteiligten Kliniken wird jeweils im Wintersemester gemeinsam mit der Abteilung für Angewandte Physiologie an der Ruhr-Universität Bochum angeboten.

Diese Forschungstätigkeiten tragen wesentlich dazu bei, klinische Erscheinungsformen affektiver Erkrankungen als auch zugrunde liegende neurobiologische Korrelate v.a. für zukünftige Modellannahmen und Forschungsaktivitäten besser zu verstehen. Ziel der genannten wissenschaftlichen Arbeiten ist die Verbesserung der diagnostischen, therapeutischen und präventiven Möglichkeiten für Patientinnen und Patienten mit affektiven Störungen.