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LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum für
Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin
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Völlig erschöpft – Wenn Corona aufs Gemüt schlägt

Tag des chronischen Erschöpfungssyndroms (12.5.): Psychologin Marianne Meschke-Barth erklärt im Kurzinterview, was mit uns los ist
Völlig erschöpft – Wenn Corona aufs Gemüt schlägt

Erschöpft und angenervt - Corona schlägt aufs Gemüt. (Bildquelle: Canva)

Erschöpft, angenervt, so einigermaßen – Wären dies auch Ihre Antworten, wenn man Sie fragen würde, wie es Ihnen gerade geht? Kennen Sie diese Gefühle? Ein Jahr in der Pandemie – mit Einschränkungen, schlechter Planbarkeit und Sorgen. Um Kinder, Arbeitsplatz und Zukunft? Zwar sind wir nicht schwer erkrankt, gut durch diese Ansteckungszeiten gekommen, trotzdem fühlen wir uns matt und gar nicht wirklich glücklich. Anlässlich des „Internationalen Tages des chronischen Erschöpfungssyndroms“ am 12. Mai haben wir unsere Expertin Marianne Meschke-Barth, Psychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin am LWL-Universitätsklinikum Bochum gefragt, was wir davon zu halten haben.

 

Kurzinterview mit Dipl.-Psychologin Marianne Meschke-Barth, Ambulanz für berufsbezogene psychische Erkrankungen in der LWL-Institutsambulanz Bochum

 

Erschöpfung, Lustlosigkeit, widersprüchliche Gefühle – sind das schon erste Anzeichen einer Depression?

Meschke-Barth: Diese Symptome allein lassen noch nicht auf eine Depression schließen. Tatsächlich hat die lange Zeit der Corona-Auszeit aber etwas mit uns gemacht. Viele Menschen haben sich mit der Situation arrangieren können, finden sich einigermaßen zurecht, merken aber schon eine gewisse Ambivalenz bei der Wahrnehmung ihrer Gefühle. Wichtig ist, sich diese Emotionen bewusst zu machen und ruhig darüber zu sprechen. Nur weil andere Menschen an Corona erkrankt sind und es einem selbst körperlich gut geht, heißt das noch lange nicht, dass wir nicht über unsere Befindlichkeiten reden dürfen. Denn tun wir dies nicht, kann sich durch die Hintertür eine Depression hereinschleichen.

 

Stellen Sie in der Ambulanz eine Zunahme von psychischen Erkrankungen fest?

Meschke-Barth: Nein, das kann man so nicht sagen. Menschen in seelischer Not können rund um die Uhr in unsere Notfallambulanz kommen, wo ihnen dann geholfen wird. Im Gespräch mit ihnen bemerken wir aber durchaus, dass sich die Symptome verstärken. Bei psychisch erkrankten Menschen brechen Stabilisierungsfaktoren weg, das heißt: Sie sitzen in Einsamkeit, weil möglicherweise die wenigen Strukturen, die sie noch haben oder die sie sich erarbeitet haben, weggebrochen sind.

 

Wie sieht es bei den Menschen aus, die aufgrund ihrer beruflich bedingten schwierigen Situation in Ihre Sprechstunde kommen?

Meschke-Barth: Die Patient:innen berichten mir von zusätzlichen Belastungen durch die derzeitige Corona-Pandemie. Die damit verbundenen Veränderungen der Lebens- und Arbeitsumstände führen zu großem Stress. Homeoffice, Homeschooling, Arbeitslosigkeit, Geldsorgen etc. sind nur einige wenige Stichworte, die das Ausmaß dessen deutlich machen, was Menschen gerade aushalten müssen und was dann zwangsläufig zu einer großen Erschöpfung führen kann.

 

Was empfehlen Sie denjenigen, die gerade müde und frustriert sind?

Meschke-Barth:  Zu sich zu stehen und das Problem anzunehmen. Das Problem und die Gefühlslage zu benennen. Sich einem guten Freund oder einer guten Freundin anzuvertrauen. Denn wir sitzen letztlich alle in einem Boot.