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LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum für
Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin
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Forensische Psychiatrie

Die Forensische Psychiatrie ist nach heutigem Verständnis ein Spezialgebiet der Psychiatrie, welches sich mit den fachspezifischen Begutachtungsfragen und mit der Behandlung psychisch kranker Rechtsbrecher befasst. Sie bewegt sich damit an den Grenzen zu einer Reihe anderer Fächer: Rechtswissenschaften, Kriminologie, Soziologie, Psychologie und Rechtsmedizin.

Die Forensische Psychiatrie im engeren Sinne befasst sich mit den Fragen, die von Gerichten und Behörden an Psychiater und Psychologen gestellt werden und deckt damit jenen breiten Überlappungsbereich zwischen Recht und Psychiatrie ab, der sich sowohl aus den rechtlichen Problemen im Umgang mit psychisch Kranken für Behandler, Gerichte und Behörden ergibt als auch aus den medizinischen und psychologischen Problemen dieser Menschen für ihre Fähigkeit zu rechtsrelevantem Handeln.

Der derzeit in zwei unabhängigen Arbeitsgruppen organisierte Forschungsbereich Forensische Psychiatrie des LWL-Universitätsklinikums konzentriert seine Arbeiten einerseits auf versorgungsrelevante Fragestellungen (AG Forensische Versorgungsforschung im Rahmen auch der LWL-Akademie für Forensische Psychiatrie (AFoPs)) wie aktuell etwa zu den Auswirkungen der 2016 in Kraft getretenen Novellierung der Gesetzes zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus gem. § 63 StGB, der Entwicklung der Gefährlichkeit im Verlauf einer Unterbringung gem. § 64 StGB, einer Studie zur Inzidenz von (Ultra-)Therapieresistenz bei psychotischen Störungen im Maßregelvollzug (MRV) sowie einer Evaluation angeordneter Zwangsbehandlungen im MRV gem. § 17a Abs. 2 MRV-Gesetz (zum Zwecke der Förderung der Entlassfähigkeit).

Die zweite und schon deutlich länger bestehende Arbeitsgruppe (AG Forensische Neurowissenschaften) widmet sich im Wesentlichen der eher grundlagenorientierten Erforschung  der mit delinquentem/gewalttätigen Verhalten assoziierten ursächlichen bzw. aufrechterhaltenden psychobiologischen Mechanismen. So werden bspw. aktuell im Rahmen zweier von der DFG geförderter Projekte mittels verhaltensexperimenteller Ansätze, struktureller und funktioneller Bildgebung sowie endokrinologischer und epigenetischer Methoden, zugrundeliegende neurobiologische Mechanismen sozial-kognitiver Dysfunktionen und Stressregulationsfähigkeiten im Zusammenhang mit Sucht, Dissozialität und Gewalt umfassend untersucht.

Bei den neurowissenschaftlichen Ansätzen geht es zunächst natürlich um ein erweitertes Verständnis der deliktassoziierten Psychopathologie, d.h. der stabilen risikorelevanten Persönlichkeits- oder Erkrankungsmerkmale zugrundeliegenden biologischen Mechanismen, welche die überdauernde Gefährlichkeit der Menschen bedingen. Hier bestehen aktuell noch immer große Wissensdefizite und es braucht weiterer vertiefender und fachübergreifender Forschung, um die komplexen Ursachen dieser Verhaltensstörungen und Erkrankungen zu verstehen und neue effiziente Behandlungsmethoden entwickeln zu können. Denn ein vertieftes Verständnis der den wesentlichen Risikofaktoren für Delinquenz zugrundeliegenden Mechanismen kann und soll  auch bei der Entwicklung innovativer transdisziplinärer Therapie und -Präventionsansätze von Nutzen sein und dazu beitragen, diagnostische und prognostische Fragen im Rahmen von Straf- oder Vollstreckungsverfahren mit objektivierbareren Methoden untersuchen zu können.

Projekte

  • Erledigungen der Maßregel gem. § 63 StGB aus Gründen der Verhältnismäßigkeit gem. § 67d Abs. 6 StGB; Laufzeit: 09/2018 – 11/2021

  • Psychobiologische Stressregulation und Aggression: Untersuchungen zur Dimensionalität von Externalisierung; Laufzeit: 05/2017–06/2020

  • Funktionsfähigkeit des sozialen Gehirns bei Gewaltstraftätern mit antisozialer Persönlichkeitsstörung (ASPD); Laufzeit: 01/2016–12/2019

  • Neural mechanisms underlying pedophilia and sexual offending against children (Laufzeit: 2012–2018) 

  • Inzidenz und therapeutische Optionen im Rahmen von (Ultra-)Therapieresistenz bei psychotischen Störungen im Maßregelvollzug (MRV)

  • Entwicklung der Gefährlichkeit bei Patienten gem. § 64 StGB (AFoPs); Laufzeit: 07/2018–06/2021

  • Evaluation der Zwangsbehandlung gem. § 17a Abs. 2 MRVG NW zum Zwecke der Erreichung der Entlassfähigkeit; Laufzeit: 01/2019–06/2020

  • Sozial-kognitive Dysfunktionen bei unterschiedlichen Phänotypen schizophrener Gewalt; Laufzeit: 05/2017–04/2020

Team

  • Prof. Dr. Boris Schiffer (Leiter der Arbeitsgruppe)
  • Dipl.-Psych. Christian Kärgel (wissenschaftlicher Mitarbeiter)
  • Dipl.-Psych. Claudia Massau (wissenschaftliche Mitarbeiterin)
  • MSc. Anna-Lena Brand (Doktorandin)

  • MSc. Katharina Weckes (Doktorandin)

  • cand. med. Kai Wetzels (Doktorand)

  • cand. med. Bernadett Kurz (Doktorandin)

  • Dr. Jan Querengässer (wissenschaftlicher Mitarbeiter)

  • MSc. Nora Hein (wissenschaftliche Mitarbeiterin)

  • MSc. Lena-Marie Langenstück (wissenschaftliche Mitarbeiterin)

  • cand. med. Marius Feldmann (Doktorand)

  • MSc. Vivien Braun (Doktorandin)

  • Dipl. Psych. Nevena Schulte (Doktorandin)

Publikationen (Auswahl)

Schiffer B, Pawliczek C, Müller BW, Wiltfang J, Brüne M, Forsting M, Gizewski E, Leygraf N, Hodgins S. (2017) Neural mechanisms underlying affective theory of mind in violent antisocial personality disorder and/or schizophrenia. Schizophrenia Bulletin 43(6):1229-1239.

Massau C, Kärgel C, Weiß S, Walter M, Ponseti J, Krüger THC, Walter H, Schiffer B (2017) Neural correlates of moral decision-making in paedophilia. Social Cognitive and Affective Neuroscience 12(9):1490-1499.

Schiffer B, Amelung T, Pohl A, Kärgel C, Tenbergen G, Gerwinn H, Mohnke S, Massau C, Wittfoth M, Weiß S, Marr V, Beier KM, Walter M, Ponseti J, Krüger THC, Schiltz K, Walter H (2017) Gray matter anomalies in pedophiles with and without a history of child sexual offending. Translational Psychiatry 7(5), e1129

Kärgel C, Massau C, Weiß S, Walter M, Borchardt V, Krüger THC, Tenbergen G, Kneer J, Wittfoth M, Pohl A, Gerwinn H, Ponseti J, Amelung T, Beier KM, Mohnke S, Walter H, Schiffer B (2017) Evidence for superior neurobiological and behavioral inhibitory control abilities in non-offending as compared to offending pedophiles. Human Brain Mapping 38(2):1092-1104.

Mohnke S, Müller S, Amelung T, Krüger TH, Ponseti J, Schiffer B, Walter M, Beier KM, Walter H (2014) Brain Alterations In Paedophilia: A Critical Review. Progress in Neurobiology 122:1-23.

Schiffer B, Pawliczek C, Müller B, Forsting M, Gizewski E, Leygraf N, Hodgins S (2014) Neural mechanisms of cognitive control of men with lifelong antisocial behavior. Psychiatry Research: Neuroimaging 222(1-2):43-51.

Schiffer B, Leygraf N, Müller B, Scherbaum N, Gizewski E, Forsting M, Wiltfang J, Hodgins S (2013) Structural brain alterations associated with schizophrenia preceded by conduct disorder: A common and distinct subtype of schizophrenia? Schizophrenia Bulletin 39(5):1115-1128.

Gizewski E, Müller B, Lieb B, Scherbaum N, Forsting M, Wiltfang J, Leygraf N, Schiffer B (2013) The impact of alcohol dependence on social brain function. Addiction Biology 18(1): 109-120.

Schiffer B, Müller B, Scherbaum N, Gizewski E, Forsting M, Hodgins S, Wiltfang J, Leygraf N (2011) Disentangling structural brain alterations associated with violent offending from those associated with substance use disorders. Archives of General Psychiatry 68(10):1039-1049.

Schiffer B, Müller BW, Scherbaum N, Forsting M, Wiltfang J, Leygraf N, Gizewski ER (2010) Impulsivity Related Brain Volume Deficits in Schizophrenia-Addiction Comorbidity. Brain 133(10):3093-3103.

Eine vollständige Publikationsliste finden Sie hier: